Sieben gute Gründe für eine Testamentsvollstreckung

Wer ein Testament oder einen Erbvertrag errichtet, hat klare Ziele vor Augen:

  • gerechte und zügige Verteilung des Nachlasses
  • Schutz des Vermögens
  • Erhaltung des Familienfriedens
  • finanzielle Absicherung des Ehepartners und anderer Familienmitglieder

Diese Ziele lassen sich oft besser verwirklichen, wenn die Verantwortung für die Nachlassabwicklung oder -verwaltung einem Testamentsvollstrecker übertragen wird. Denn wenn die Erben versuchen, alles selbst zu regeln, ist Streit und Ärger häufig vorprogrammiert.

Arbeitsentlastung für die Erben

Niemand sollte die Nachlassabwicklung unterschätzen. Die Aufgabe ist keineswegs einfach und umfasst viele Schritte. Viele Dinge sind zu veranlassen und zu beachten:

  • Sicherung des Nachlasses
  • Wohnungsauflösung
  • Sichtung aller Unterlagen
  • Erstellung des Nachlassverzeichnisses
  • Klärung aller bestehenden privaten und geschäftlichen Vertragsbeziehungen
  • Einziehung fälliger Forderungen
  • Bezahlung von Rechnungen
  • Erfüllung von Auflagen und Vermächtnissen
  • notwendige Kündigungen
  • Konten- und Grundstücksumschreibungen
  • Unterbringung von Haustieren
  • Überwachung aller Fristen
  • Abgabe der Erbschaftsteuererklärung

Aus unterschiedlichen Gründen können die Erben diese Angelegenheiten oft nicht selbst erledigen: Wer im Beruf voll gefordert ist, hat meist keine Zeit für Behördengänge. Junge und unerfahrene oder minderjährige Erben können die Nachlassabwicklung genauso wenig übernehmen wie Erwachsene im Alters- oder Krankheitsfall. Weit entfernt wohnende Personen, die z. B. im Ausland leben, sind in der Regel nur schwer in der Lage, alle anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Vor allem bei einem großen und wertvollen Nachlass wird ein geschulter und erfahrener Testamentsvollstrecker die Hinterbliebenen entlasten, beraten und unterstützen.Aufgaben einer Testamentsvollstreckung

Friedensstiftung

Entsteht durch den Todesfall eine Erbengemeinschaft, können die Erben den Nachlass nur gemeinschaftlich verwalten. Bei wesentlichen Entscheidungen gilt das Prinzip der Einstimmigkeit. Viele Verwandte haben sich im Zuge der Erbauseinandersetzung schon zerstritten, weil sie selbst nebensächliche Dinge nicht regeln konnten.
Ganz anders ist das bei einer Testamentsvollstreckung. Die Fäden laufen bei einer Person zusammen, die zu Objektivität und Neutralität verpflichtet ist und häufig auch bei aufkommendem Streit oder zwischen den Fronten vermitteln kann. Vorschläge eines Testamentsvollstreckers finden eher die Zustimmung aller Beteiligten als die Wunschvorstellungen von verfeindeten Familienmitgliedern, die miteinander nicht mehr reden können.

Durchsetzung des Erblasserwillens

Testamentsvollstrecker setzen die Anweisungen und Richtlinien des Verstorbenen nach dem Wortlaut und Geist seines Testaments um. Sie kümmern sich darum, dass sämtliche Auflagen und Vermächtnisse auch wirklich erfüllt werden. Manchmal ist die Testamentsvollstreckung sogar über einen längeren Zeitraum sinnvoll. Mit einer Anordnung, die dies vorschreibt, kann der Erblasser den Nachlass der Verwaltung der Erben (befristet) entziehen, um das Vermögen zu schützen. Die Testamentsvollstreckung kann beispielsweise die voreilige Liquidierung wertvoller Immobilien oder die rasche Zerschlagung eines gesunden Familienunternehmens verhindern.
Testamentsvollstreckung kommt auch dann in Betracht, wenn man sich entschließt, den Nachlass oder Teile davon einer Stiftung zuzuwenden. Der Testamentsvollstrecker kann in diesem Fall die Aufgabe übernehmen, die Stiftung zu gründen und dafür zu sorgen, dass sie die Ziele des Erblassers (z. B. Umweltschutz, Forschungsförderung, soziale Gerechtigkeit) auch tatsächlich realisiert.

Minderjährigenschutz

Immer wieder kommt es vor, dass Eltern mit ihrem Vermögen minderjährige Kinder absichern wollen. In diesem Fall reicht es jedoch nicht aus, die Kinder als Erben einzusetzen. Um das Erbe vor dem Zugriff des gesetzlichen Vertreters zu schützen, kann der Erblasser Testamentsvollstreckung anordnen.

Die Person, die mit dieser Aufgabe beauftragt ist, ist dann bei Rechtsgeschäften weder auf die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters noch des Vormundschaftsgerichts angewiesen.

Schutz Behinderter

Wenn ein Behinderter, der in einem Heim lebt, eine Erbschaft erhält, droht in der Regel der „sozialhilferechtliche Rückgriff“. Der Sozialhilfeträger, der die Kosten für die Pflege und Unterbringung trägt, fordert regelmäßig die Liquidierung des Erbes zur Bezahlung dieser Leistungen. Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann die baldige Aufzehrung des empfangenen Vermögens verhindern, da der Nachlass des Behinderten dann vor einem Zugriff etwaiger Gläubiger, und damit auch des Sozialhilfeträgers geschützt ist.

Welche Funktion hat ein Testamentsvollstrecker?

Hatte der Erblasser kein Testament errichtet, tritt gesetzliche Erbfolge ein. In aller Regel entsteht dadurch eine Erbengemeinschaft, d.h. es gibt nicht nur einen Alleinerben, sondern mehrere Erben erhalten den Nachlass gemeinsam. Dies kann z.B. bei dem Tod eines Elternteils dazu führen, dass der überlebende Ehepartner zusammen mit den Kindern eine Erbengemeinschaft bildet. Alles dasjenige, was der Erblasser hinterließ, muss nun gemeinschaftlich verwaltet werden, bis der Nachlass auseinandergesetzt ist. Wichtige Entscheidungen müssen einstimmig getroffen werden. Oft haben sich im Rahmen der Erbauseinandersetzung schon Familien zerstritten, weil sie selbst über Kleinigkeiten nicht einig wurden. Dem kann durch eine Testamentsvollstreckung abgeholfen werden. Nicht die Miterben verwalten den Nachlass und teilen diesen unter sich auf, sondern ein „externer Dritter“, nämlich der Testamentsvollstrecker, übernimmt diese Aufgabe. Er ist derjenige, den der Erblasser in seinem Testament mit diesen Aufgaben betraut und dazu bestimmt. Er ist der Objektivität und Neutralität verpflichtet und, wenn er seine Aufgaben ernst nimmt, in der Lage, zwischen den Streitparteien zu vermitteln. Deshalb finden seine Vermittlungsvorschläge und Bemühungen zur schiedlich-friedlichen Auseinandersetzung der Familie des Erblassers eher Zustimmung der Beteiligten als die Ansichten der Streitparteien. Die Testamentsvollstreckung ist daher der „Königsweg“, um nach dem Tod des Erblassers Frieden in der Familie zu behalten. 

Anordnung einer Testamentsvollstreckung

Wo wird eine Testamentsvollstreckung angeordnet?

Ausschließlich in einer letztwilligen Verfügung (Einzeltestament, Ehegattentestament, Erbvertrag) kann der Erblasser eine Testamentsvollstreckung anordnen. Deshalb muss dies – z.B. in einem privatschriftlichen Testament – handschriftlich niedergelegt und unterschrieben sein. 

Arten einer Testamentsvollstreckung

Welche Testamentsvollstreckungen gibt es?

Je nach Aufgabe, die der Testamentsvollstrecker nach dem Willen des Erblassers nach seinem Tode durchführen soll, gibt es verschiedene Arten der Testamentsvollstreckung:

  • Abwicklungsvollstreckung (§§ 2203, 2204 BGB)
  • Verwaltungsvollstreckung (§ 2209 S. 1, 1. Halbs. BGB)
  • Dauertestamentsvollstreckung (§ 2209 S. 1, 2. Halbs. BGB)
  • Testamentsvollstreckung mit beschränkten Aufgabenkreis (§ 2208 BGB)
  • Erbteilsvollstreckung
  • Nacherbenvollstreckung (§ 2222 BGB)
  • Vermächtnisvollstreckung (§ 2223 BGB)

Die sieben Arten der Testamentsvollstreckung unterscheiden sich in ihren Aufgabenkreisen.

Der Regelfall ist die Abwicklungsvollstreckung. Der Testamentsvollstrecker muss:

  • den Nachlass verwalten,
  • abschließend auseinandersetzen,
  • bestehende Verbindlichkeiten erfüllen.

Im Fall der Verwaltungsvollstreckung muss:

  • der Nachlass verwaltet,
  • aber nicht abgewickelt werden.

Fällt die Wahl auf die Dauertestamentsvollstreckung, muss:

  • der Nachlass erst auseinandergesetzt,
  • dann verwaltet werden.

Bei der Testamentsvollstreckung mit beschränktem Aufgabenkreis muss:

  • ein bestimmter Nachlassgegenstand verwaltet werden.

Im Rahmen der Erbteilsvollstreckung muss:

  • der Erbteil eines bestimmten Miterben verwaltet werden.

Die Nacherbenvollstreckung verpflichtet den Testamentsvollstrecker zur:

  • Wahrnehmung der Kontroll- und Aufsichtsrechte des Nacherben,
  • Beaufsichtigung des Vorerben.

Kommt es zur Vermächtnisvollstreckung, muss:

  • die Ausführung von Auflagen beaufsichtigt werden.

Die Wahl der Art der Testamentsvollstreckung richtet sich danach, wie der Erblasser seinen Nachlass auseinandergesetzt und verwaltet haben möchte.

Die Entscheidung für eine Testamentsvollstreckung bringt einige Vorteile mit sich. So wird der letzte Wille des Erblassers im Hinblick auf Auflagen oder Vermächtnisse abgesichert. Zudem eröffnet sie die Möglichkeit, einen Erben vor sich selbst zu schützen, wenn er zum Beispiel minderjährig ist, unerfahren, oder in seiner Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt. Ebenso wird es den Erben durch einen neutralen Blick von außen erleichtert, den Nachlass aufzuteilen und zu verwalten.

Mit einer Berechtigung zur Testamentsvollstreckung sind sowohl Aufgaben als auch Rechte und Pflichten verbunden. Oberste Priorität hat für den Berechtigten, dass der Nachlass wie im Testament festgelegt aufgeteilt wird und Vermächtnisse übertragen werden. In seinem Verantwortungsbereich liegt die Verwaltung des Nachlasses, bis die im Testament gewünschten Eigentums- und Besitzverhältnisse hergestellt sind.

Um diesen Status herzustellen, muss der Berechtigte diverse Aufgaben erfüllen:

  • Sicherung und Verwaltung des Nachlasses,
  • Erstellung eines Nachlassverzeichnisses nach § 2215 BGB,
  • Auseinandersetzung des Erbes mithilfe eines Auseinandersetzungsplans,
  • falls nötig: Berechtigten Pflichtteile zusprechen,
  • Wohnungsauflösung,
  • Unterbringung von Haustieren,
  • Sichtung aller Unterlagen und bestehender Verträge – falls nötig: Kündigungen schreiben,
  • Einziehung fälliger Forderungen,
  • Bezahlung von Rechnungen,
  • Überwachung aller Fristen,
  • Konten- und Grundstücksumschreibungen,
  • Abgabe der Erbschaftssteuererklärung.

Wie ordne ich eine Testamentsvollstreckung an?

Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung ist ausschließlich im Rahmen einer letztwilligen Verfügung – also im Einzeltestament, im Ehegattentestament bzw. Berliner Testament oder im Erbvertrag – möglich. Verfügt der Erblasser also über ein privat verfasstes Testament, so muss die Erklärung zur Testamentsvollstreckung handschriftlich hinterlegt und mit einer Unterschrift versehen sein.

Hat sich der Erblasser entschieden, welche Art der Testamentsvollstreckung zur Anwendung kommen soll, kann er auf die oben beispielhaft genannten Formulierungen zurückgreifen.

Wen darf ich beauftragen?

Grundsätzlich kann jeder mit der Testamentsvollstreckung beauftragt werden – auch wenn es sich um einen Erben handelt. Allerdings ist nicht jeder, der beauftragt werden kann, auch geeignet.