Nachlassverwaltungen

1. Was ist ein Nachlassverwalter?

Ein Nachlassverwalter kümmert sich um die Verwaltung eines verschuldeten oder undurchsichtigen Erbes. Dafür verschafft er sich einen Überblick über den Umfang des Nachlasses und trennt diesen vom Privatvermögen der Erben. Bestehende Schulden werden ausschließlich aus dem Nachlass getilgt – nicht mit dem privaten Vermögen des Erben. Ein Nachlassverwalter kann sowohl von rechtmäßigen Erben als auch von Nachlassgläubigern beauftragt werden.

2. Aufgaben, Rechte & Pflichten eines Nachlassverwalters

Bei einem Nachlassverwalter handelt es sich um einen unabhängigen Rechtsdienstleister, der in erster Linie für die Verwaltung eines Nachlasses zuständig ist. Dazu gehören die

  • genaue Feststellung der Erbmasse durch eine Nachlassauflistung,
  • Trennung von Nachlass und privatem Vermögen – z. B. von dem eines Ehepartners –,
  • Erstellung eines Verzeichnisses über sämtliche Nachlassverbindlichkeiten – z. B. Kreditraten, Steuerforderungen, Vermächtnisse oder sonstige Zahlungsaufforderungen –,
  • Erstellung eines Schuldenverzeichnisses,
  • Begleichung von Schulden aus dem Nachlass und
  • Verteilung der Überschüsse an die rechtmäßigen Erben.

Damit er sämtliche Aufgaben erfüllen kann, nimmt der Nachlassverwalter das Erbe in seinen Besitz. Damit verfügt er über jegliche Nachlassgegenstände und muss den Nachlass im Interesse der Erben und Gläubiger verwalten.

Beim Nachlassverwalter handelt es sich nicht um den einzigen Rechtsdienstleister, welcher sich mit der Verwaltung und Abwicklung eines Nachlasses befasst. Welche es außerdem gibt und wie der Nachlassverwalter von ihnen unterschieden werden kann, erfahren Sie im folgenden Kapitel.

3. Abgrenzung und Unterscheidung

Die Nachlassverwaltung – somit auch der Nachlassverwalter – ist eine Sonderform der Nachlasspflege. Beide werden gerichtlich angeordnet. Ein Testamentsvollstrecker wiederum wird von einem Erblasser beauftragt, um dessen letzten Willen durchzusetzen. Aufgrund ähnlicher Aufgaben kommt es häufig zu einer Vereinheitlichung der genannten Begriffe. Dabei liegen zwischen den einzelnen Tätigkeiten teils große Unterschiede. Diese werden Ihnen in den folgenden Kapiteln näher erläutert.  

3.1 Abgrenzung Nachlasspfleger & Nachlassverwalter

Häufig werden Nachlasspfleger und Nachlassverwalter synonym verwendet – zwischen diesen beiden Begriffen besteht jedoch ein Unterschied. Der Nachlassverwalter ist zwar eine Instanz der Nachlasspflege, die Aufgaben von Verwalter und Pfleger sind jedoch verschieden. Während der Nachlassverwalter vor allem für die Verwaltung und Abwicklung des Nachlasses verantwortlich ist, hat der Nachlasspfleger folgende Zuständigkeiten: Er

  • kommt zum Einsatz, wenn keine Erben auffindbar sind,
  • gilt als gesetzlicher Vertreter der Erben,
  • hält das Erbe zusammen und sichert seinen Bestand, solange das Erbe nicht angenommen wurde und
  • muss ein Vermögensverzeichnis aufstellen.

Sind keine Angehörigen und Erben auffindbar, kümmert sich der Nachlasspfleger auch um weitere Aufgaben wie

  • die Organisation der Beerdigung,
  • die Auflösung des Hausrats,
  • den Verkauf von Immobilien,
  • die Kündigung von bestehenden Mietverhältnissen und
  • die Erstellung der Erbschaftssteuererklärung.

Nachlasspfleger werden meist von einem Nachlassgericht oder – im Falle eines überschuldeten Erbes – von Nachlassgläubigern beauftragt, ein Erbe zu sichern. Dazu kommt es, wenn Erben unbekannt oder nicht vorhanden sind, Minderjährige geerbt haben, Streit zwischen Erben herrscht oder ein Nachlass in Gefahr ist.

3.2 Abgrenzung Testamentsvollstrecker & Nachlassverwalter

Der Testamentsvollstrecker unterscheidet sich vom Nachlassverwalter dadurch, dass er für die Erfüllung eines Testaments oder Erbvertrags zuständig ist. Der Erblasser bestimmt dabei, wer Testamentsvollstrecker werden soll – dieser hat sich dann genauestens an die Anordnungen des Erblassers zu halten. Zu den Aufgaben eines Testamentsvollstreckers zählen:

  • die Erfüllung des Testaments oder Erbvertrags – er sorgt also für die Verteilung des Nachlasses an Erben und Vermächtnisnehmer –,
  • die Sicherung und Erhaltung des Nachlasses – wenn vom Erblasser z. B. festgelegt wurde, dass ein bestimmtes Grundstück nicht veräußert werden darf – und
  • die Wahrnehmung sämtlicher Verpflichtungen rund um die Nachlassverwaltung – z. B. das Erstellen einer Erbschaftssteuererklärung.

Im Rahmen einer Erbengemeinschaft ist der Testamentsvollstrecker zudem für die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft zuständig. Hier hat er die Aufgabe, den Nachlass an alle Miterben zu verteilen – dafür müssen unter Umständen zunächst geldwerte Nachlassgegenstände wie Immobilien verkauft werden, damit eine Realteilung möglich ist. Jegliche im Testament festgelegten Bedingungen müssen dabei eingehalten werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zum „Testamentsvollstrecker“.

Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, welche Aufgaben Nachlasspfleger und Testamentsvollstrecker haben und wann sie jeweils eingesetzt werden. Nicht vom Nachlassverwalter abzugrenzen, sondern als eine Sonderform anzusehen, ist der digitale Nachlassverwalter. Warum dieser heutzutage so wichtig ist und welche Aufgaben er übernimmt, erfahren Sie im folgenden Kapitel.  

4. Sonderform: digitaler Nachlassverwalter

In Zeiten der Digitalisierung besitzt fast jeder einen E-Mail-Account, Profile bei Sozialen Netzwerken oder sogenannte „Clouds“, in denen private Dokumente – z. B Bilder – gespeichert werden. Alle dort gespeicherten Dateien verbleiben nach dem Tod eines Kunden beim jeweiligen Anbieter. Liegen Angehörigen und Erben keine Zugangsdaten für die verschiedenen Konten vor, kann es schwierig werden, an hinterlegte Dokumente zu kommen oder vorhandene Accounts zu löschen.

Um dies zu verhindern, kann man einen digitalen Nachlassverwalter einsetzen. Dies kann sowohl eine Vertrauensperson aus dem persönlichen Umfeld als auch ein Dienstleister sein, der sich auf die digitale Regelung des Nachlasses spezialisiert hat. Dieser hat im Todesfall Zugriff auf alle digitalen Dokumente, wertet diese aus und übergibt die gewonnen Informationen an die Erben.

5. Einsetzung eines Nachlassverwalters

Im Folgenden erfahren Sie, wie die Einsetzung eines Nachlassverwalters vonstattengeht, wer sie beantragen kann und welche Vor- und Nachteile es gibt.

5.1 Wann wird ein Nachlassverwalter bestellt?

Ein Nachlassverwalter kommt nur zum Einsatz, wenn eine Überschuldung des Nachlasses naheliegt oder wenn er unübersichtlich ist. Dabei kann er verhindern, dass bei einer Überschuldung des Erbes Privatvermögen der Erben zur Tilgung von Verbindlichkeiten herangezogen wird. Man spricht von einer Haftungsbeschränkung.

Besteht die Annahme, dass eine Befriedigung von Verbindlichkeiten durch Erben gefährdet ist, kann ebenfalls ein Nachlassverwalter bestellt werden. Dieser stellt dann sicher, dass der Nachlass bevorzugt für die Begleichung der Nachlassverbindlichkeiten eingesetzt wird.